Packrafting in Finnland(5): Goldener Spätsommer

Beim Visitor Center angekommen müssen wir erst einmal etwas Zeit überbrücken, bis überhaupt geöffnet wird. Bei uns allen schlägt inzwischen die Müdigkeit voll durch. Frierend frühstücken wir vor dem Gebäude und schlagen die Zeit tot.

Ein weiteres Mal wollen wir uns tiefer in den Nationalpark bringen lassen, wieder ist kein Taxi in nächster Zeit verfügbar, wieder hilft uns der gleiche junge Mann aus und fährt uns, diesmal ans Nordende des Sees Pitkä-Hoilua, von wo aus wir ein weiteres Mal in See stechen.

Während wir am Sandstrand die Boote ein letzte Mal aufbauen und mit dem nach 2,5 Wochen stark zusammengeschmolzenen Gepäck beladen, lichten sich die dunklen Wolken immer mehr. Das Wetter schlägt um. Endlich!

Wir paddeln den See entlang nach Südwesten, es wird immer wärmer und sonniger und

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einen Versuch war’s wert

wir werden immer müder. Die letzte Nacht steckt uns ziemlich in den Knochen. Jaaku schläft bei Lars im Boot ein, Niklas macht schlapp und lässt sich ziehen. Ich hänge mich heimlich an das Gespann hinten dran, werde aber leider bemerkt. Mist! Dann muss ich eben wieder selber paddeln.

Ein auffrischender Gegenwind erschwert und das Vorankommen, umso schöner, als wir endlich am anvisierten  Lagerplatz ankommen: eine kleine Halbinsel mit lichtem Bewuchs, ein langer Sandstrand, Feuerstelle und Lean-To-Shelter, was will man mehr.

Für den Rest des Tages ist natürlich wieder Baden angesagt und Hängematte. Faulenzen eben. Abends kochen wir die tags zuvor auf Kalmosärkkä gesammelten Preiselbeeren mit viel Zucker ein. Dazu unsere letzten Kekse – ein Genuß!

k-IMG_6748Nach einer ruhigen Nacht sind wir wieder gut erholt und voller Tatendrang. Da wir noch genügend Zeit übrig haben und unser Lagerplatz so schön ist, wollen wir heute noch nicht weiter. Wir machen statt dessen eine kleine Wanderung am See entlang, laufen barfuß durch einen flachen, sandigen Bach zum nächsten See, beobachten Rentiere, sammeln ein paar Steinpilze…

Den Nachmittag über vergnügen sich die Kinder am Sandstrand mit dem neuen Boot, das ihre wilden Spiele zum Glück unbeschadet übersteht.

Der nächste Morgen beginnt mit einem bilderbuchartigen Sonnenaufgang über dem völlig ruhigen See, der bisher schönste Morgen der gesamten Reise.  Schnell verzieht sich die morgendliche Kälte und es wird so warm und freundlich, dass wir tatsächlich mal nur im T-Shirt paddeln.

Eine flache, schilfbewachsene Engstelle bildet den Ausgang des Sees. Wieder mal müssen

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Treidelservice

wir aussteigen und ziehen, diesmal aber nur ein kurzes Stück. Kurz darauf versperrt eine Brücke den Weg, deren einzelne Joche mit eisernen Gittern versperrt sind. Hier ist kein Durchkommen, es ist also mal wieder Umtragen agesagt. Nicht weit zum Glück und da alle mit anpacken, ist das Hindernis schnell gemeistert. Jetzt geht es nach Osten weiter auf dem See Lounaja, der sich immer weiter verengt und schließlich in einen Fluß übergeht. Ein paar kleinere Stromschnellen sorgen für Auflockerung und bald haben wir die Lounatkoski erreicht, eine wild tosende WWIII-Schnelle, die zu Umtragen dringend geraten wird. Hölzerne Schienen, die durch den Wald zur anderen Seite der Stromschnelle führen erleichtern die Sache. Der Umtragepfad führt an einer alten, sehr sehenswerten Mühle vorbei. Unter einer kleinen Holzbrücke setzen wir die Boote wieder ein und haben bald schon den See Jatkonjärvi erreicht, an dessen Westufer sich ein riesiger Lagerplatz befindet. Wir haben die freie Auswahl zwischen vier Feuerstellen, unzähligen ebenen Zeltplätzen und diversen sandigen Buchten. Endlich fühlt sich die Tour wie echter Sommerurlaub an!

k-IMG_6984Der nächste Tag beginnt wie der vorherige: ein fahler, nebliger Sonnenaufgang läutet einen goldenen, sonnendurchfluteten Spätsommertag ein, der gleichzeitig unser letzter Paddeltag ist. Mühelos legen wir die letzten paar Kilometer nach Hossa zurück. Am Ausstieg lassen wir unsere Ausrüstung in der Sonne trocknen, dann heißt es noch ein letztes Mal Schleppen bis zum Visitor Center. Nachmittags gehe ich nochmal bei schönstem Wetter mit den Kindern baden und alles ist so ganz anders als in den letzten drei Wochen. Der Nationalpark wirkt bei Sonne ganz verwandelt gegenüber dem trüben grau in grau, das wir fast die gesamte Zeit über erlebt haben.

Abends nutzen wir dann nochmal ausgiebig die Sauna auf dem Zeltplatz und am nächsten Morgen heißt es wieder früh aufstehen, Sachen Packen und auf den Bus warten. Der letzte Morgen inmitten der finnischen Natur ist so still, dass wir den Bus bereits 5 Minuten lang hören können, bis er überhaupt in Sichtweite kommt. Dann sind wir wieder zurück in Kuusamo, verbringen den Tag im Schwimmbad unseres Hotels und am nächsten Morgen dann geht es zurück nach Hause.

 

 

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