Mit dem Packraft auf der Amper

Die Amper zwischen Ammersee und Fürstenfeldbruck stand eigentlich schon lange auf unser To-Do-Liste, aber irgendwie wollte es in den letzten Jahren nicht so recht klappen. Mal verhinderte das Befahrungsverbot bis zum 15.7. eine Tour, mal war es das Wetter und immer hat uns auch die komplizierte Anfahrt zum Einsetzpunkt in Stegen davon abgehalten, die Strecke in Angriff zu nehmen. Schade eigentlich, denn obwohl die Amper verhältnismäßig zahm und streckenweise sehr langsam ist, und auch nicht mit imposanter Bergkulisse lockt, lohnt sich eine Befahrung dennoch sehr.Aber letzten Samstag hat es dann doch endlich geklappt: der wunderschöne frühherbstliche Tag lockt uns nach draußen und da die Kinder inzwischen ja nicht mehr gar so klein sind und beide sehr gut zu Fuß, verbinden wir die Paddel- wieder eink-IMG_3305mal mit einer Wandertour. Wir nehmen also die S4 bis nach Türkenfeld und wandern von dort aus auf Feldwegen und schmalen Pfaden im Wald entlang des liebevoll ausgeschilderten „Fußwegs nach Eching“ bis zur Autobahnbrücke in Stegen. Nach gut 6km und 1,5h haben wir unser Ziel erreicht und machen erst einmal ausgiebig Brotzeit, während wir die Boote aufbauen.

Türkisgrün, klar und verhältnismäßig warm fließt hier die junge Amper entlang, der Seeausfluß ist keine 200m von der Autobahnbrücke entfernt. Überrascht bemerken wir die flotte Strömung, die uns über die – ohne Weiteres befahrbare – erste Sohlschwelle trägt. Die Freude ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn bereits wenig später ist die Strömung fast vollständig eingeschlafen. Es ist also Paddeln angesagt und so sind die nächsten 6 Kilometer durchaus anstrengend. Dafür fließt der Fluss durch eine wunderschöne naturbelassene, sehr ruhige Moorlandschaft. Hohes, trockenes Schilf säumt die Ufer, ausgeblichene Baumgerippe sorgen für eine bizarre Kulisse. Immer wieder passieren wir kleine und größere Gruppen von Schwänen, die sich durch unsere Anwesenheit kaum stören lassen. Bald sehen wir schon in der Ferne die Kirchtürme von Grafrath auftauchen, aber bis wir sie erreicht haben dauert es auf dem mäandernden Fluß noch eine ganze Weile. In Grafrath wartet die zweite Sohlschwelle auf uns, die mittik-IMG_3353g ohne Probleme zu fahren ist.

Nach Grafrath ändert sich der Charakter der Amper schlagartig, die Strömung nimmt deutlich an Fahrt auf und die Besiedlung nimmt zu. Die Ufer sind jetzt dicht bewaldet, der Fluß wirkt dadurch deutlich düsterer. Links und rechts reihen sich kleine Stege aneinander, die allesamt zu privaten Grundstücken gehören. Nach einigen Kilometern flotter Fahrt erreichen wir den Rückstau des Wehrs von Schöngeising. Hier müssen wir wieder deutlich mehr arbeiten um voranzukommen. Vor dem Wehr setzen wir auf kurzem Weg über in den benachbarten Kanal. Noch immer ist die Strömung gering. Das

k-IMG_3407
Sohlrampe nach Schöngeising

ändert sich erst nach der nächsten Sohlschwelle, die bald mit einem Schild angekündigt wird: „Unfahrbare Wehranlage! Lebensgefahr!“ Verunsichert steigen wir aus und umtragen – unserer Karte zufolge handelt es sich eigentlich nur um eine mittig fahrbare Sohlrampe. Das Schild scheint aber im Nachhinein eher auf schlecht ausgerüstete und unerfahrene Schlauchbootfahrer abzuzielen, denn tatsächlich wäre die Rampe ohne Weiteres fahrbar gewesen (ein Mindestmaß an Bootsbeherrschung vorausgesetzt).

Langsam ist es später Nachmittag geworden, aber zum Glück ist Fürstenfeldbruck nicht mehr weit. Die letzten 5,5km legen wir wieder recht flott zurück. Gegen Ende ist noch ein kleiner, flacher See zu überqueren und am Ende eine sehr niedrige Brücke, dann haben wir unseren Ausstieg kurz vor dem Kletterwald in FFB erreicht.

Die Boote sind schnell zusammengepackt und schon eine gute Viertelstunde später machen wir uns zu Fuß auf den Weg zur 1,5km entfernten S-Bahnstation – wo wir natürlich unseren Zug gerade noch wegfahren sehen!

Ein langer, aber lohnender Tag geht zu Ende. Auf diese schöne und anfängertaugliche Tour werden wir sicher auch mal Paddelneulinge mitnehmen.

Infos:

  • Wanderung Türkenfeld-Stegen: 6,1km; 1,5h
  • Paddelstrecke Stegen-FFB: 18km; fast 4h
  • Pegel Amper Stegen: 96cm

(Ein Video wird es auch wieder geben, das werd ich hier einbauen, sobald es fertig ist.)

Ein Gedanke zu “Mit dem Packraft auf der Amper

  1. Danke für die schöne Beschreibung!
    An die Amper hab ich auch schon öfter gedacht. Vor allem möchte ich durch FFB paddeln, da ich dort zur Schule gegangen bin und oft an der Amper auf den Schulbus wartete.
    Liebe Grüße
    der Radlrafterich

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s