Regentage (1)

Was macht man mit einer kurzen Woche, einem Haufen Überstunden, schönem Wetter und einem Kind, das noch nicht schulpflichtig ist?  – Einen spontanen Paddeltrip zum Regen – diesmal erstmalig in kleiner Besetzung, nur ich und der 6-jährige Jaaku!

Am Montag packen wir unsere Sachen mitten im infernalistischen Lärm, den unsere „Heimwerkerkönige“ („wir machen ganz viel selbst, das ist billiger!“) hier derzeit jeden Abend, an jedem Wochenende, an jedem Brückentag mit den Stahlbetonwänden im Haus veranstalten. Entsprechend gestresst bin ich, als wir endlich aufbrechen können. Das Gepäck für uns zwei ist leicht genug, dass ich es relativ bequem alleine tragen kann, trotzdem bin ich froh, als wir endlich im Zug nach Cham sitzen. Dort nehmen wir ein Taxi zum nahegelegenen Kanuclub, wo wir die erste Nacht verbringen. Außer einem Paar im Wohnmobil sind wir die einzigen Gäste, was mich etwas überrascht, am langen Wochenende und bei dem herrlichem Wetter hätte ich mehr Andrang erwartet.

Nach einem Abendspaziergang am Fluß, bei dem ich merke, dass ich die große Kamera

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Aufbruch

zwar dabei habe, die SD-Karte allerdings nicht und einer kurzen Paddelrunde auf dem träge dahinfließenden Regen geht es dann auch schon ins Bett.

Entsprechend früh beginnt der nächste Tag für uns. Ziemlich schnell haben wir gefrühstückt und unsere Sachen gepackt (zu viert brauchen wir da irgendwie immer viel länger) und bereits um 8:30 sind wir abfahrbereit.

Bei einem letzten Rundgang über die Zeltwiese finden wir einen verlorenen Feuerstahl. Da ich nicht glaube, dass jemand hierfür extra zurückkommt, erlaube ich Jaaku, ihn einzustecken – unter der Auflage, dass er ihn zurückgibt, sollten wir den Besitzer finden.

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Wehr mit vernagelter Bootsrutsche

Die ersten Paddelkilometer starten zäh, denn schon befinden wir uns im Rückstau des ersten und einzigen Wehrs der Tagesetappe. Der Ausstieg ist laut Beschreibung ca. 50m vorher. Aber das Wehr kommt näher und näher und kein Ausstieg ist in Sicht, nur ein steiler Trampelpfad die Böschung hinauf. Jaaku wird immer nervöser, und so halte ich schließlich an diesem Pfad und wir kämpfen uns mühsam mit Boot und Gepäck hinauf zur Straße. Etwa 20 Meter weiter ist dann natürlich eine breite, komfortable Treppe als wirklicher Ausstieg – die Mühe hätten wir uns also sparen können!

Die nächsten 15 km fließt der Regen träge mäandernd durch ein Naturschutzgebiet, hier ist das Anlanden auf der gesamten Strecke verboten. Da wir keine Pausen machen und ich auch deutlich weniger als sonst durchs Fotografieren abgelenkt bin (von dieser Tour gibt es nur Handyfotos) kommen wir recht zügig voran und erreichen schon nach gut drei Stunden den kleinen Ort Pösing. Hier knickt der Regen scharf nach links ab und bildet unter der Straßenbrücke einen kräftigen Schwall. Vom Zug aus war diese Stelle sehr gut zu sehen gewesen und Jaaku hatte sich den ganzen Vormittag schon Sorgen gemacht, ob wir auch gut durch den Schwall hindurchkommen. Als es dann vorbei ist, ist die Reaktion wie immer: ein breites Grinsen im tropfennassen Gesicht und ein freudiges „Nochmal!!!!“

Die restlichen Kilometer bis Roding – unserem Etappenziel – sind schnell zurückgelegt, und als wir gegen 13 Uhr dort ankommen, brechen dort andere Paddler erst auf.

Wir schlagen unser Zelt auf einer herrlichen Blumenwiese auf und erkunden dann diek-20180501_135811 kleine Stadt. Jaaku spielt ausgiebig auf dem wunderschön angelegten Spielplatz am Fluß und erst am späten Nachmittag kehren wir zurück zum Zelt. Dort treffen wir auf zwei Kanadierfahrer, die bereits seit gestern hier sind. In Cham waren sie eine Nacht vor uns gewesen. Plötzlich fragt Jaaku mich nach seiner Jacke, was mich etwas überrascht, denn kalt ist es nun wirklich nicht. Kurze Zeit später kehrt er mit einem triumphierenden Blick zurück und hält den Kanadierfahrern den am Morgen gefundenen Feuerstahl entgegen. Und tatsächlich, er ist ihrer. Da ist die Freude natürlich groß (und ich bin ziemlich stolz auf den kleinen Jaaku)!

Abends sitzen wir noch lange gemeinsam am Feuer und so wird es heute deutlich später als tags zuvor.

(Strecke: 23 Kilometer; Paddeldauer: 4,5 Stunden; Umtragungen: 1 Wehr)

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